Kriegsähnliche Zustände

Man kennt Heinz Erhardt meist nur von seiner lustigen Seite. Aber nicht nur der Hintersinn und Schalk saß in seinem berühmten Nacken, sondern auch ein klarer Blick auf die Welt. Deshalb hier mal ein etwas anderes Weihnachtsgedicht.

Weihnachten 1944

(Als ich keinen Urlaub bekam)

Wenn es in der Welt dezembert
und der Mond wie ein Kamembert
gelblich rund, mit etwas Schimmel
angetan, am Winterhimmel
heimwärts zu den Seinen irrt
und der Tag stets kürzer wird -
sozusagen wird zum Kurztag -
dann hats Christkindlein Geburtstag!

Ach, wie ist man dann vergüngt,
wenn man einen Urlaub kriegt.
Andrerseits, wie ist man traurig,
wenn es heißt: “Nein, da bedaur’ ich!”
Also greift man dann entweder
zu dem Blei oder der Feder
und schreibt schleunigst auf Papier
ein Gedicht, wie dieses hier:

Die Berge, die Meere, den Geist und das Leben
hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben,
das hat er nicht fertig gebracht!
Wir tasten und irren, vergehen und werden,
wir kämpfen mal so und mal so …
Vielleicht gibts doch richtigen Frieden auf Erden?
Vielleicht gerade jetzt? - - Aber wo? …

(Heinz Erhardt)

4 Responses to “Kriegsähnliche Zustände”

  1. on 23 Dec 2009 at 6:55 pm r|ob

    Es gibt eben noch anderes, als “Die Made” … sehr fein.

    Ich wünsche Euch ein stressfreies und gemütliches Weihnachtsfest. Wenn Schnee liegen sollte, nicht ausrutschen, sollte es regnen, nicht ärgern und sollte es Geschenke geben: freuen. In diesem Sinne: Merry Christmas oder Oh, Du Fröhliche…

  2. on 24 Dec 2009 at 7:04 pm sabbeljan

    @r|ob Vielen Dank. Wünsche Dir auch ein schönes Fest!

  3. on 28 Dec 2009 at 1:42 pm ► Kriegsweihnacht | auf Reisen

    […] Erhardt) via […]

  4. on 28 Dec 2009 at 1:42 pm ► Kriegsweihnacht | auf Reisen

    […] Erhardt) via […]

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