Der Rollrasenriese von RWE, fehlendes Atom und Erdrutsche
July 20th, 2009 by sabbeljan
Wenn man eine Agentur wie Jung von Matt engagiert, um das Image eines der FabFat Four auf dem deutschen Energiemarkt umzukrempeln, dann dürfen die Auftraggeber ein erdrutschartiges Ergebnis erhoffen. Gut geeignet, um großen Massen zu bewegen, scheinen freundliche Riesen zu sein. “Energieriesen”. Und so kann man der Webseite von RWE folgendes lesen:
Sie kennen den Energieriesen noch nicht?
Er ist 111 Jahre alt – genau wie RWE. Er ist groß, stark, freundlich, gut 60 Meter hoch, wiegt knapp 300 Tonnen und heißt einfach nur „Der Energieriese“.Mit dem bekannten, freundlichen Filmmonster Shrek aus dem Sumpf hat der Energieriese nur soviel gemeinsam, dass beiden zuerst nur negative Vorurteile entgegengebracht werden. Dem Energieriesen wird unterstellt, er sei nur ein Ungetüm, das kleinere Unternehmen schlucke und nichts für die Umwelt tue.
Dabei kann er aber gerade viel bewegen, weil er so groß ist. Ganz nach dem Motto: „Es kann so leicht sein, Großes zu bewegen, wenn man ein Riese ist.“ Damit steht er für Sympathie, Nähe und Tatkraft im XXL-Format und ist damit ein Sinnbild für gesundes Selbstbewusstsein, mit dem RWE auftritt.
Zugegeben, der Imagefilm ist wirklich gut gemacht. Eingängige Musik mit schön animierten Bildern. Dass die Werber das gemütliche Riesenbaby direkt vor dem aktuellen Harry Potter-Film über die Leinwand stapfen lassen, verfehlt seine Wirkung bei der jüngeren Generation (und einigen Erwachsenen) sicher nicht. Mancher könnte das perfide nennen.
Auch wenn die Wahrheit nicht zwingend Bestandteil eines Image sein muss, darf ein Fakt zu RWE nicht unter den Tisch fallen:
RWE ist ein Atomkonzern: Biblis A + B, Emsland und Gundremmingen B + C (Wo bleiben die angeblich CO2-sparenden, sauberen Atomkraftwerke in dem Film? Passte das nicht ins Image?). Erinnert sei auch daran, dass RW das Atomkraftwerk Belene in Bulgarien bauen will, das in einem erdbebengefährdeten Gebiet liegt.
Update: Danke für diesen kleinen Remix mit Fakten an den User Stimme00 und Greenpeace. (via Netzpolitik)
PS: Dass Tagebaulöcher mit Rollrasen und ein wenig Aufforstung (ab Minute 1:12 im Film), wieder in eine heile Natur verwandelt werden können, wird den Bewohnern von Nachterstedt wie ein Hohn vorkommen. (Auch wenn der betroffene ehemalige Tagebau nicht zu RWE gehört, so hat das Unternehmen einige davon)
PPS: Telepolis hat 2007 die Kampagnen und Strategien des Konzerns zur eigenen Umweltfreundlichkeit mit “Greenwashing” in Verbindung gebracht. Dieser Meinung kann man durchaus sein.
Wer mehr Grünfärberei lesen will, kann zum Buch “Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen: Lügen, bis das Image stimmt” von Toralf Staudt greifen.
