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“Start einer neuen Verkaufsörderungs-kampagne wider das Blumenvergessen” nennt die deutschsprachige Seite des “Blumenbüro Holland” - die Kampagne “Recht auf Blumen” in einer Pressemeldung aus dem November 2008. Das Blumenbüro Holland ist nach eigener Beschreibung die Marketing- und Verkaufsförderungsorganisation des niederländischen Zierpflanzenbaus.

Gemeinsam mit der CMA - deren Finanzmodell ja dank eines renitenten Hühnerbauern und des Bundesverfassungsgerichtes gerade zertrümmert wurde und Mitteln aus der Europäischen Union soll der Absatz von holländischen (?!) Blumen angekurbelt werden. Mit Großflächenplakaten, Radiospots und einer Webseite wird pünktlich vor dem nationalen Blumenverkaufstag mal wieder ein hervorragendes Beispiel geliefert, warum deutsche Landwirte die Zwangsabgabe an die CMA nicht akzeptieren konnten.

Zumal die EU bei der Absatzförderung nur 50% als Co-Finanzierung übernimmt, die jeweiligen Dachverbände mindestens 20% und die Mitgliedsstaaten den jeweiligen Rest. In den aktuellen Ausführungsbestimmungen zur Absatzförderung von Agrarprodukten ist zum Thema “Lebende Pflanzen und Waren des Blumenhandels” ist zu lesen:

1. Gesamtanalyse der Lage

Der Sektor ist durch ein Angebot gekennzeichnet, bei dem die Gemeinschaftserzeugung in immer stärkerem Maße der Konkurrenz aus Drittländern ausgesetzt ist.

Aufgrund der Bewertungsstudien über die Absatzförderungskampagnen von 1997 bis 2000 erscheint es angezeigt, die gesamte Branche vom Erzeuger bis zum Vertrieb optimaler zu organisieren und zu rationalisieren und die Verbraucher besser über die inhärenten Merkmale und die Sorten der Gemeinschaftserzeugnisse zu informieren, um deren Absatz in der Gemeinschaft zu erleichtern.

2. Zielvorgaben

- Steigerung des Verbrauchs von Blumen und Pflanzen mit Ursprung in der Gemeinschaft,
- Förderung umweltverträglicher Produktionsweisen und der diesbezüglichen Kenntnisse,
- verstärkte Partnerschaft zwischen Fachleuten mehrerer Mitgliedstaaten, um u. a. die Weitergabe optimalen Fachwissens und die bessere Information aller Beteiligten der Branche zu ermöglichen.

3. Zielgruppen

- Erzeuger, Pflanzschulen, Vertrieb und andere Beteiligte des Sektors,
- Studenten und Schulkinder,
- Meinungsbildner: Journalisten, Lehrkräfte,
- Verbraucher.

4. Hauptaussagen

- Qualität und Sorten der Gemeinschaftserzeugnisse,
- umweltverträgliche Produktionsverfahren,
- Techniken, die auf eine größere Haltbarkeit der Erzeugnisse abzielen,
- Optimierung der Sortenkombinationen von Pflanzen und Blumen,
- Rolle der Pflanzen und Blumen beim Wohlbefinden und der Lebensqualität.

5. Wichtigste Instrumente

- Medienkontakte,
- Messen und Ausstellungen: gemeinsame Stände für Erzeugnisse verschiedener Mitgliedstaaten,
- Bildungsmaßnahmen für Fachleute, Verbraucher und Studenten,
- Verbreitung von Kenntnissen, mit denen die Haltbarkeit des Angebots erhöht werden kann,
- Informationskampagnen für den Verbraucher über die Presse und durch Initiativen wie die Veröffentlichung von Katalogen, Gärtnerkalendern oder Programme “Pflanze des Monats”,
- verstärkter Einsatz elektronischer Kommunikationsmittel (Internet, CD-ROM usw.).

6. Laufzeit der Programme

12 bis 36 Monate, vorzugsweise Programme mit einer Strategie und angemessen begründeten Zielvorgaben für die einzelnen Programmphasen.

(Quelle)

Wenn in die aktuelle Schnittblumenkampagne Gelder der EU nach diesen Kriterien geflossen sind, dann frage ich mich, wo bleibt 1. der Bezug zu Blumen, die im Binnenmarkt erzeugt sind? Schließlich wir der Kauf von Blumen angeregt, nicht aber der Kauf von Tulpen aus Amsterdam. und 2. frage ich mich, wo der Bezug zum Ziel “umweltverträglicher Produktionsweisen” hergestellt wird? Zum 3. frage ich mich noch, ob sich das Mitgliedsland Deutschland auch an der Finanzierung dieser Kampagne beteiligt hat? Ich habe die CMA kontaktiert und gefragt, wie viel die Kampagne “Recht auf Blumen” kostet und woher welche Mittel stammen und ob die oben zitierten Kriterien berücksichtigt wurden. Auf Antwort darf ich vermutlich nicht hoffen.

Weitere Infos:

  • Blumenbüro Holland bei Wikipedia
  • Grundlage der Absatzförderung der EU für Agrarprodukte: Verordnung (EG) Nr. 2826/2000
  • Anhang III der aktuellen Ausführungsbestimmung zur Absatzförderung von Agrarprodukten sieht 3 Millionen EUR der EU für die Absatzförderung von “Lebende(n) Pflanzen und Waren des Blumenhandels” vor.
  • Blog der Agrarkommissarin Marian Fischer Boel
  • (Bildnachweis: flickr, von cjbc)

    4 Responses to “Recht auf Blumen? CMA, Holland und die EU”

    1. on 11 Feb 2009 at 12:43 pm Aniram

      Dumm dass die Blumen im Landen keine Ursprungsbezeichnung tragen, wie soll ich denn europäische Ware kaufen - auch wenn ich das wollte. So manche Blumenverkäuferin wäre wohl überfordert mit der Frage nach der Herkunft (außer Tulpen vielleicht). Ich frag mich im übrigen, welches andere EU-Land außer Holland noch Blumen produziert? Wenn es kein anderes Land gibt, wäre es ja wohl legitim die Kampagne für die Holländer auszuflaggen.

    2. on 11 Feb 2009 at 12:58 pm sabbeljan

      @Aniram Genau, das ist eines der Probleme. Wenn man den Aspekt der Umweltverträglichkeit noch hinzunimmt, dann stellt sich tatsächlich die Frage nach einem umfassenden Label für Schnittblumen. Interessant in diesem Zusammenhang auch der –> PlusMinus-Bericht von gestern Abend

    3. on 20 Apr 2009 at 10:36 am hejokir

      Ganz so schwarz/weiß liegen die Dinge ja nicht. Das das Blumenbüro Holland zum Ziel hat den Absatz holländischer Blumen zu fördern, liegt wohl in der Natur der Sache. Bei den Kampagnen der vergangenen Jahre von CMA und Blumenbüro Holland ging es aber ganz allgemein um Blumen. Wieviel vom Angebot im Blumengeschäft holländischer, afrikanischer oder deutscher Herkunft ist, obliegt dabei jedem Floristen selbst wo er einkauft und wie er sich informiert. Da Deutschland eines der Hauptabsatzländer für Blumen aus Holland ist, wirkt sich eine Förderung des Blumenabsatzes in Deutschland fast automatisch auch immer positiv auf den niederländischen Markt aus, so natürlich das Kalkül in Holland. Jetzt da es die CMA nicht mehr gibt, steht Blumengeschäften so gut wie gar kein Werbematerial für ihre Geschäfte mehr zur Verfügung und kaum eines ist in der Lage eine professionelle Werbung in Eigenregie zu stemmen. Insofern sind solche Kampagnen wie Recht auf Blumen (die nach der Auflösung der CMA im Übrigen eingestellt wurde) insbesondere für den kleinen Fachhandel eine Chance für besondere Aktionen im Geschäft gewesen, die sie nun nicht mehr haben. Was umweltverträgliche Produktion angeht, ist heutzutage fast jeder deutsche und holländische Gärtner zertifiziert, sonst könnte er seine Produkte gar nicht mehr absetzen. Bei Blumen aus außereuropäischen Ländern sieht es da schon anders auch, aber auch da gibt es Zertifikate wie MPS und Fair Flowers. Dem deutschen Fachhandel ist mit der Auflösung der CMA auf jeden Fall nicht gedient und das Blumenbüro Holland wird nur in Teilen und natürlich als Interessenvertreter des holländischen Gartenbaus und Handels in die Bresche springen. Dabei stehen Produkte aus deutscher Produktion wohl eher nicht oben auf der Liste.

    4. on 21 Apr 2009 at 6:35 pm sabbeljan

      @hejokir Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung. Was ich nach wie vor nicht verstehe ist, wieso andere kleine Läden (Schuhläden, Bäcker, Schmuckgeschäfte,…..) die nicht zu grossen Ketten gehören und damit auch keine “professionellen Werbekampagnen” stemmen können, keine EU-Gelder bekommen. Hier geht es ganz klar in den Sumpf der Agrar-Subventionen.

      Und es mag sein, dass die deutschen und holländische Gärtner Zertifikate haben, die ausweisen, dass sie die Umweltauflagen nach geltendem Recht erfüllen. Aber mit Blumen aus einer umweltschonenden, fair gehandelten Produktion hat das ja nicht zwingend was zu tun, oder?

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