Hackl Schorsch oder Earbags

Kalte Ohren sind bei pfeifendem Ostwind in Berlin keine Seltenheit. Nun gibt es verschiedene Vermeidungsstrategien. Zum einen ist da das gemeine Stubenhocken. Da wir aber alle keine “Stuben”, sondern schlicht Wohnungen, oder weniger schlicht “Lounges” haben und auch nicht “hocken”, sondern alle relaxen, schlafen oder surfen, fällt diese Vermeidungsstrategie aus. Zumal man ja auch mal raus muss. Mindestens, um den Müll zu entsorgen.

Eine zweite Vermeidungsstrategie wäre, die Hände über die Ohren zu halten. Spätestens beim Radfahren, komme ich hier an die Grenzen, denn trotz geübten Freihändigfahrens, sind abbiegende Autos letztendlich nur Dank energischen Bremsens zu entgehen - wofür bekanntermassen mindestens eine Hand hilfreich ist.

Also muss eine Kopfbedeckung her. Einen Schal um den Kopf zu wickeln, sieht meist nach rumänischer Bettelmafia aus. Hüte stehen auch nicht jedem und schützen zwar die lichter werdenden Goethe-Ecken, nicht aber die Lauscher. Bliebe ein Stirnband, aber Männer mit Stirnband sehen immer aus wie der Hackl Schorsch. Das kann niemand wollen.

Und was ist mit Mützen? Ist doch naheliegend. Da gäbe es zum einen die klassische Berlin-Mitte-Mütze, die den Träger zu einem Enkel Che Guevaras macht. Wenn jedoch der revolutionärste Gedanke ist, die Weihnachtspost in diesem Jahr rechtzeitig loszuschicken, dann passt so eine Kopfbedeckung auch irgendwie nicht. Tja, Pudelmützen sind schon wegen des Hunderassennamen indiskutabel.

Hank Moodys Tochter Becca verweist immer dezent - mit leichtem Fingerzeig in Richtung Pony - wenn Ihr Vater den Tochterkopf streicheln will: “Frisur!” Auch ich kann Eitelkeit nicht gänzlich vom Kopf weisen. Vom Kopf weist jedoch mein Resthaar, wenn ich Kopfbedeckungen jeglicher Art vom Haupte ziehe, was der Eitelkeit eben nicht zuträglich ist. Die Earbags kommen deshalb wie gerufen. Damit mache ich mich ordentlich zum Löffel, halte selbige aber warm. Hackl Schorsch, eat this!

ear_bag

2 Responses to “Hackl Schorsch oder Earbags”

  1. on 30 Dec 2008 at 10:49 pm Juergen

    ja, ja, die zugereisten neuberliner mit ihren aber-witzigen ideen!

    während der altberliner sich stoisch einregnen lässt oder mit ‘ner outdoor-jacke dem un-wetter trotzt, sind die etwas eitlen ex-münchner oder ex-hamburger immer auf jagd und deshalb besorgt um ihre außenwirkung. sogar die lustige schirmmode, diese faltbaren, klapprigen knirpse, haben sie nach berlin mitgebracht!

    aber der berliner ist ja tolerant. und so wurde die stadt bunter.

  2. on 30 Dec 2008 at 11:16 pm sabbeljan

    @juergen: jaja, die exil-berliner… ist ja nur eine ergänzung zur outdoor-jacke. “immer auf der jagd”? so eitel nun auch wieder nicht :)

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