Ja, ich kann dank meiner Brille nicht nur lesen, sondern auch Worte zählen. Die angegebene Anzahl in der Überschrift ist nicht hypothetisch, sondern einer fleißigen Strichliste entsprungen. Wobei davon auszugehen ist, dass ich den ein oder anderen “Arsch” übersehen habe. Dem gefühlten Schnitt entspricht ~ 0,5 Arsch/Seite beim Lesen im übrigen nicht. Mag auch daran liegen, das noch weitere anale Begrifflichkeiten breite Verwendung finden.

Es wäre sicher ein wenig unfair das Buch “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche auf Wortverwendungen zu reduzieren - schließlich ist der Faden an dem sich die Geschichte entspinnt untrennbar mit einer rückwärtigen Unterleibsverletzung verbunden - , aber es ist nicht weniger irreführend, wenn überall zu lesen und zu hören ist, das Werk würde noch vorhandene Tabus brechen.

Vielmehr lässt sich das Erstlingswerk durch einen Gedanken der Heldin selbst charakterisieren: “Es ist wie ein Sport. Ich muss in einem Raum immer die Lockerste sein.” Genau. Und deshalb ist das Rumpulen in allen Körperöffnungen und das in den Mund nehmen jeglicher Ausscheidungen in der Summe eben nur eine pop-sportliche Übung, die bemüht aussieht, aber kein großes Tennis ist.

Sicherlich lesen Frauen das Buch anders als Männer, aber am großen Anteil den die geschickte PR zum Erfolg - oder besser gesagt zur Aufmerksamkeit - beigetragen hat, ändert das sicher auch nichts. Insbesondere die melancholisch anklingende Familienstory wirkt ein wenig angeklatscht und nur die Frage, ob die Heldin am Ende den Pfleger Robin kriegt zieht den Leser bis zu den letzten Seiten.

feuchtgebiete_cover

Charlotte Roche ist - soweit ich das aus der Fernsehkonsumentensicht überhaupt beurteilen kann - eine unterhaltsame, intelligente und toughe Person, weshalb ich an Ihrem Debut interessiert war. Ja, ich habe schlechtere Bücher gelesen. Nein, gänzlich überflüssig würde ich es nicht nennen. Auch ein paar Lacher und wenige schöne sprachliche Ideen sollen nicht unter den Kritiktisch fallen, aber insgesamt sind die Feuchtgebiete doch ein wenig abgesoffen.

PS: Der Kitziblog hat ein paar schöne Fotos einer Lesung von Charlotte Roche in Würzburg geschossen.

7 Responses to “111x Arsch = Popliteratur?”

  1. on 31 Mar 2008 at 5:52 pm r|ob

    Danke fürs Vor-Lesen. so brauche ich es nicht Nach-lesen…

  2. on 31 Mar 2008 at 6:58 pm creezy

    alleine für den grandiosen Schlußsatz: «[…] aber insgesamt sind die Feuchtgebiete doch ein wenig abgesoffen.» nen dicken: . !!!

  3. on 31 Mar 2008 at 8:28 pm Markus

    Würde Charlotte das hier lesen, würde sie wahrscheinlich denken “So ein Arsch”. ;-)

  4. on 31 Mar 2008 at 10:21 pm SumpfLicht

    Kann ja nich jeder in der Bücherwiese meliorieren,
    find ja überhaupt jut se nich zu lesen, Bücherwürmer mögens nämHlich rocken, aber Charlotte is dennoch ne Coole.Gel brooost.

  5. on 01 Apr 2008 at 7:38 pm stilhäschen

    Sie haben da in der Überschrift ein kleines p zu viel.

  6. on 01 Apr 2008 at 7:49 pm sabbeljan

    @stilhäschen: oder eins zu wenig ;-)

  7. […] Roche oder Reyhan Sahin scheint es offenbar riesig Spaß zu machen zu schocken. Wird auch in anderen Blogs ähnlich gesehen. Ansonsten war der Abend sehr schön, endlich habe ich mal Mogga persönlich […]

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