Elli zahlt keine Miete
February 20th, 2008 by sabbeljan
Party bei Tim. Berüchtigte WG am Aasee. Elli war rausgeputzt und hatte ihren beliebten Nudelsalat dabei. Wie immer hatte sie es Melanie zu verdanken, dass sie dem legendären Gelage bei Tim und Konsorten beiwohnen durfte. Melanie nahm Elli überall mit hin.
Der Abend hielt was er versprach. Gegen drei Uhr fühlte Elli sich ziemlich leer. Das alkoholisierte Gehoppse von Melanie und Stefan - dem gegen Mitternacht angelachten Sport-auf-Lehramt-im-sechsten-Semester - ging Elli mächtig auf die Hülle.
“Lass uns nach Hause gehen, Melanie”, murmelte Elli hohl vor sich hin. Doch Melanie dachte nicht daran. Melanie dachte eigentlich gar nicht mehr, denn sie hing an Stefans Hals, die Augen geschlossen, die Bluse halb offen.
Elli hingegen bewegte sich seit geraumer Zeit nicht mehr und dämmerte langsam weg, während eine Feierleiche nach der anderen durch Erbrochenes watend den Heimweg antrat. Melanie und Stefan waren inzwischen taumelnd in Tims Zimmer verschwunden. Tim würde das nicht stören, denn er war mit irgendeiner Nele abgezogen. Elli war mal wieder unbeachtet übrig geblieben.
Gegen zehn Uhr morgens wird sie unsanft aus dem Dämmerzustand gerissen, als einer von Tims Mitbewohner anfängt aufzuräumen und sauber zu machen. Elli wird ohne Worte vorsichtig beiseite geschoben. “Nee,klar. Tschuldigung, ich will nicht im Weg stehen”, versucht Elli sich mit dem beboxershorteten Saubermann zu verständigen. Offenbar ist er taub oder will um die Zeit nicht sprechen. Mehr als ein verkrampft-verkaterter Gesichtsausdruck ist ihm nicht zu entlocken.
Nach einer gefühlten weiteren Stunde Halbschlaf wundert sich Elli über die plötzliche Frische. Innerlich wie äußerlich fühlt sie sich geradenach gereinigt. Und das obwohl sie sich im Gegensatz zu den meisten anderen Partyteilnehmern nicht übergeben hatte.
Melanie war indessen verschwunden ohne Elli bescheid zu sagen - geschweige denn, sie mit zu nehmen. Der Saubermann, Ralf mit Namen, hatte sich inzwischen angezogen und gefiel Elli gleich viel besser, als noch Stunden zuvor. Offenbar beruhte das auf Gegenseitigkeit, denn Ralf lädt sie noch für den selben Abend zu einer weiteren Party ein. “Pah, ich kann mich auch ohne Melanie amüsieren”, flüstert Elli sich selber zu. Den Rest des Tages kümmert sich Ralf rührend um Elli.
Als es draußen schon lange dunkel ist, machen sich Ralf, Elli - diesmal mit Mais-Thunfisch-Salat bewaffnet - sowie einige Kumpels von Ralf auf den Weg zum Kreisel, rüber zur Promenade und dann in ein dreistöckiges Wohnhaus. Aus den Fenstern im zweiten Stock trällern Oasis. Der dazugehörige Balkon ist mit einer kleinen rauchenden Gruppe gefüllt, die sich über ständig wechselnde Prüfungsordnungen echauffiert.
Oben angekommen werden sie mit einem großen Hallo begrüßt. Die kleine dralle Gastgeberin Susanne freut sich besonders über Ralfs Erscheinen. “Wen hast du denn da hübsches mitgebracht?”, fragt sie mit ironischem Blick auf Elli. “Ach, die hat Melanie gestern bei uns stehen gelassen. Konnte ich gut gebrauchen für meinen Mais-Thunfisch-Salat.” “Ok, bring sie einfach in die Küche”, flötet Susanne. Ralf stellt Elli neben das aufgeschnittene Baguette. Oh, wenigstens kenne ich hier jemanden, stellt Elli erleichtert fest, als sie Karl, die eckige hellblaue Schüssel mit Kartoffelsalat entdeckt.

Hehehe, erwischt.
Wie damals die Gaby Hauptmann, die mich mit zwei Pferden dran gekriegt hat.
Aber Gaby Hauptmann lese ich ja gar nicht.
@eigenart: hauptmanns pferde? kenn ich auch nicht.
Herr Sabbeljan! Zu dieser grandiosen Geschichte kann man Sie nur beglückwünschen! Vielen Dank, dass Sie sie mit uns geteilt haben.
@exit: danke für das lob.
Ja, das ist schon wieder mal ein Sabbeljan’scher Text besonderer Güte. Alle Achtung, Sie lustiger Schlawiner, Sie!